Feedback Guide

Es reicht leider nicht aus, dass wir uns als Verein im Namen der Community zu Wort melden. Ganz im Gegenteil; dadurch, dass sie nur eine Stimme, nämlich unsere, direkt hören, sehen es viele Redaktionen als eher unwichtig an, was wir ihnen sagen. Insgesamt haben die Rückmeldung von trans Menschen zu diesem Thema häufig weniger Gewicht als von cis Menschen, die sich solidarisch zeigen. Daher ist es wichtig, dass sie kontinuierlich Feedback aus verschiedenen Ecken hören/lesen.

Während es also gut ist, dass ihr uns besonders schlimme Beiträge meldet und wir uns da auch gerne einsetzen, reicht das leider nicht aus. Auch eure Stimme ist wichtig und hilft uns einen Schritt weiter, also macht von euren Feedbackmöglichkeiten Gebrauch!

Hier einige Tipps aus unserer Erfahrung:

  1. Überlegt, ob es eine Beschwerde wert ist.

Auch gutgemeinte oder wohlwollende Artikel und Beiträge sind manchmal nicht so, wie wir sie uns wünschen würden. Daher ist es wichtig zu schauen, ob die Patzer einen negativen, verfälschenden, gefährlichen Effekt haben oder nicht. Je nachdem ist es empfehlenswert, auch einmal fünf gerade sein zu lassen, da Normalisierung und allgemeines Wohlwollen von Medienschaffenden wichtig sind, um weiterhin solide Berichterstattung zu garantieren. 

Dabei ist auch wichtig, bei wem ihr euch beschweren wollt: Gerade bei einer Lokalzeitung habt ihr oft die Möglichkeit, etwas zu erreichen, wenn ihr sachlich und bestimmt vorgeht. Bei einem Beitrag der Basler Zeitung oder der Weltwoche hingegen sind Beschwerden eher verschwendete Energie. In solchen Fällen eher von einer direkt Beschwerde absehen, und euch an höhere Instanzen wie den Schweizer Presserat wenden (siehe Punkt 4).

  1. Nein zum Streit in Kommentarspalten, ja zum klaren Stellung Beziehen

Häufig artet es besonders in den Kommentarspalten aus. Hier ist es wichtig, sich nicht in Diskussion verwickeln zu lassen. Poste deinen Kommentar mit Richtigstellungen, Quellen, Bezug zum Artikel und ignoriere all jene, die dich in einen Streit verwickeln wollen. Wenn möglich, mach bei Hass-Kommentaren von der Melde-Funktion Gebrauch oder wende dich direkt per Mail oder Button an die Redaktion und bitte um Moderation/Löschung der Kommentare. 

Wichtig: Falls du selbst ein Interview gibst, das online erscheinen soll, kannst du auch im Vorfeld darum bitten, die Kommentarfunktion sperren zu lassen. 

  1. Schreiben an die Redaktion

Manche Plattformen wie 20min haben mittlerweile unterhalb von Beiträgen Funktionen integriert, bei denen man direkt melden kann, wenn sich Fehler im Artikel finden. Leider sind die nicht bei jedem Beitrag aktiv. In jedem Fall kannst du dich mit einem Brief oder einer E-Mail an die Redaktion wenden. Mach in deinem Schreiben klar, auf welchen Beitrag du dich beziehst, was das Problem ist und was sich ändern liesse (siehe hierzu auch Punkt 5).

Die Adressen finden sich jeweils mit einer Google Suche oder unter Schlagwörtern wie «Kontakt» oder «Impressum». Rückmeldungen zu Abos gehen am besten an den Abonnementservice/Leser_innenservice. 

Hier die Angaben für die grossen Medienplattformen:

PlattformMailadresse/Kontaktformular
20Minutenredaktion/at/20minuten.ch
Blickredaktion/at/blick.ch
NZZredaktion/at/nzz.ch 
Tages-Anzeigerredaktion/at/tages-anzeiger.ch
SRGsrf.ch/kontakt

Wichtig: Auch andere Unternehmen könnt ihr wegen ihrer Kommunikation bzgl. Trans kontaktieren, ob wegen einer seltsamen, transphoben Werbung, einem beleidigenden Textabschnitt auf der Homepage einer medizinischen Praxis, abschätzigen Witzen in einer Radiosendung oder wegen transfeindlichem Verhalten eines Bademeisters im Schwimmbad: In den allermeisten Fällen lassen sich Kontaktdaten finden, an die ihr respektvoll und informativ melden könnt, was das Problem ist und was ihr euch als Kund_innen, Bürger_innen und Konsument_innen für Anpassungen wünscht.

  1. Nutzen von Schlichtungsinstanzen

Auch jenseits der Redaktionen gibt es Schlichtungsstellen und Autoritäten, an die ihr euch wenden könnt. So gibt es etwa bei Tamedia und der SRG Ombudsstellen, die Beschwerden nachgehen. Zudem können Verstösse gegen den journalistischen Kodex auch beim Schweizer Presserat gemeldet werden. Auch grössere Firmen und andere Organisationen haben häufig Ombudsstellen.

Bei Ombudsstellen und Presserat ist der Beschwerdeprozess komplexer als bei einer Mail an die Redaktion. Es gibt Fristen einzuhalten, die eigene Adresse muss angegeben werden, es gibt formale und inhaltliche Richtlinien, über die ihr euch jeweils informieren müsst, bevor ihr eine Beschwerde einreicht, ansonsten werden diese nicht bearbeitet. Diese Vorgaben sind allerdings keine grossen Hürden (Mehr dazu unter Punkt 5.) 

PlattformInfos Anlaufstelle
SRGhttps://www.srgd.ch/de/uber-uns/ombudsstelle/
Tamediahttps://www.tamedia.ch/de/unternehmen/ombudsmann
Schweizer Presserathttps://presserat.ch/beschwerde/verfahren/
  1. Formalia einhalten, Quellen liefern, sachlich bleiben

Was gehört eigentlich in so eine Beschwerde/Beanstandung? Eigentlich nicht mehr als zu sagen, um welchen Beitrag es geht und was daran falsch ist. Achtet also beim Schreiben darauf, durch Link oder genaue Nennung klar zu machen, worum es geht, und euch auf konkrete Beispiele zu beziehen (Ist die Bebilderung irreführend? Trans falsch erklärt? Werden trans Menschen beleidigt, lächerlich gemacht?)

Wichtig ist, dass ihr euch jeweils genau durchlest, ob es formale Vorgaben gibt. Besonders bei Ombudsstellen steht häufig sehr genau, wie lange Beschwerden nach Veröffentlichungen angenommen werden, welche Informationen sie brauchen, ob eine persönliche Adresse gefordert wird und wann ihr Antworten erwarten könnt. Nehmt diese Angaben ernst, ansonsten ist eure Zeit vergeudet und die Beschwerde wird nicht behandelt.

Ihr müsst dabei nicht selbst erklären, warum etwas nicht in Ordnung ist. Ihr könnt euch dabei auf seriöse Quellen beziehen und etwa unseren Medienguide verlinken oder zitieren, euch bei unserem Infomaterial inspirieren lassen, oder auf Organisationen wie Queer Amnesty, die Weltgesundheitsorganisation etc. verweisen. 

Haltet das Schreiben möglichst kurz, grundsätzlich höflich und natürlich frei von Beleidigungen oder persönlichen Angriffen. Es kann nützlich sein, persönliche Kompetenzen zu erwähnen, verzichtet generell aber lieber auf ausschweifende Anekdoten oder grosse Rechtfertigungen, warum ihr euch Kritik erlaubt; ihr braucht nicht zu beweisen, dass ihr ein Recht auf Feedback habt.

  1. Wohin geht mein Geld?

a.) Du hast ein Abo für eine grosse Schweizer Zeitung, die immer wieder transfeindliche Beiträge publiziert? Überleg dir, ob du das weiterhin finanzieren möchtest. Falls du dein Abo kündest, teile dem Abo-Service mit, was dich dazu bewogen hat! Reisserische und provokative Beiträge generieren Geld, wenn sie auch zum Verlust von Geld führen, entsteht Druck auf die Redaktion, ihre Entscheidungen zu überdenken. 

b.) Auch Klicks sind für Medien relevant! Deshalb: Provozierende Artikel in den Sozialen Medien nicht verlinken und immer wieder anklicken, sondern mit Screenshots, Photos, kopiertem oder gespeichertem Text arbeiten. 

  1. Informieren & Konsequenzen ziehen

Gewisse Medienschaffende schiessen sich auf das Thema Trans geradezu ein. Bevor du daher mit einer Medienplattform zusammenarbeitest, jemandem ein Interview gibtst, o.ä., google die Person und die Plattform mit dem Stichwort Transgender und schau mal, was du findest. Oder wenn du eine Anfrage erhältst und gerade nichts findest, wende dich etwa an uns und frag, ob wir schon Erfahrungen mit der Person haben.

  1. Selbstschutz nicht vergessen

Solidarität ist gut und wichtig, aber sie darf euch nicht schaden! Lasst euch nicht auslaugen und frustrieren von Kämpfen in Kommentarspalten oder einem Hin und Her mit der Redaktion. Sagt, was ihr zu sagen habt, und schliesst dann auch damit ab oder meldet euch bei uns. Teilt euch eure Kraft ein und verausgabt euch nicht. Wir sind alle für uns selbst verantwortlich und müssen auf unser Wohlergehen achten.

  1. Auch Lob ist wichtig!

Du liest einen guten,soliden, informativen Artikel über trans Personen? Toll! Dann mach doch einen Kommentar darunter oder schreibe der Redaktion, dass es dir als Leser_in wichtig ist, solche Beiträge zu lesen. Dies zeigt, dass es nicht nur um Kritik, sondern um Qualität geht und sich der Aufwand für Redaktion und Journalist_in lohnt. Teile gute Beiträge in den Sozialen Medien und sorge damit für mehr Klicks. Und wenn sie ganz besonders toll sind, schick sie doch an uns (), dann können wir sie womöglich in den nächsten Newsletter aufnehmen!