Eine transsexuelle Chansonsängerin

Hinterhoftreffen mit Heidi Mohr –
ein Stern vom andern Stern

Früher hieß Hedi Mohr Christian und war Einser-Abiturient. Jetzt ist er eine Sie, lebt in Berlin und hat beim Bundeswettbewerb Gesang den Gisela-May-Chansonpreis gewonnen. Ein Hinterhoftreffen.

Sie hat Eindruck gemacht. Auf die Jury beim renommierten Bundeswettbewerb Gesang, die ihr den Gisela-May-Chansonpreis verlieh. Auf das Publikum beim Preisträgerkonzert am Monatsanfang im Friedrichstadt-Palast, wo sie – im langen Schwarzen und mit ganz großer Geste – die „Seeräuber Jenny“ sang. Diese Sängerin müsse man sehen, hat es danach geheißen. Die sei so was von exzentrisch, total exaltiert, trete barfuß auf, habe zugleich blondes und graublaues Haar, sei jetzt eine Frau, vorher aber ein Mann gewesen, einfach ein eigenwilliger Charakter, mit einer guten Stimme und hoher Musikalität noch dazu.

Das macht neugierig, da will man mehr wissen und schickt eine Interviewanfrage an den aufsteigenden Stern am Showhimmel raus.

Hedi Mohr ist 22, die Antwort kommt zügig, der Ton ist höflich, aber bestimmt. «Als Erstes wäre es mir lieb, wenn wir uns duzen könnten», mailt sie. Logo, Hedi, wird gemacht.

Sie wohnt wie aus dem Bilderbuch der armen Künstler: verrotteter Altbau in der Köpenicker Straße, zweiter Hinterhof. Jetzt bitte bitte Souterrain. Nein, es geht höher rauf. Hedi lacht. Sie singe zwar in feuchten Kellern, aber sie wohne nicht drin. Der Rock ist lang, das Angora-Oberteil flauschig, die mit Papierfetzen beklebte und bemalte Leinwand überm Küchentisch sieht selbst verfertigt aus. Ist sie aber nicht, sagt Hedi. Ihr Freund hat das Bild für sie gemacht. Und der Titel? «Hedi», sagt Hedi. Es ist blau und rosa, da ahnt man gleich eine Anspielung auf wechselndes Geschlecht. Verfrüht. «Das sind schwarz-weiße Klaviertasten, Blau steht für den Himmel und Rosa für das Abendrot.» Sie selber malt auch. Gerade arbeitet sie an einer Bewerbungsmappe für die UdK. «Ich suche ja immer Alibi-Studiengänge, damit ich nicht Musical studieren muss.» Mit 18, als sie noch er war, Christian hieß, in Gelsenkirchen lebte und das Abitur mit Durchschnittsnote 1,1 hinlegte, war ihr das schon suspekt – Musical studieren. Deswegen hat sie nach dem Gewinn des zweiten Bundespreises bei «Jugend musiziert» die Möglichkeit ausgeschlagen, an der Folkwang-Universität Essen genau das zu studieren. «War mir einfach zu flach.»

Flach oder einfach sind keine Kategorien für Hedi. Sonst hätte sie sich alles leichter gemacht. Wäre 2010 nicht nach Berlin gezogen, ohne jemanden zu kennen. Auf der Suche nach absoluter Freiheit, nach extremen Lebensentwürfen. Wäre nicht in der „queeren, linken Zeckenszene“, wie sie es nennt, und dem dazu passenden Hausprojekt gelandet. Hätte nicht Gender Studies und Musikwissenschaft an der HU studiert. Und vor allem nicht den Namen Christian und das dazugehörige Geschlecht abgelegt und sich Hedi genannt. Und zwar von ihrem Lieblingsmusical «Hedwig and the Angry Inch» inspiriert. «Das ist ein Alien-Name und ich denke die meiste Zeit, dass ich ein Alien bin.“ Ein Wesen vom anderen Stern, zufällig beheimatet auf dem Planeten Erde…..»

Quelle: Tagesspiegel

Aktionstag zum Transgender Day of Remembrance

Am Samstag, 23. November 2013, haben einige Aktivisten von TGNS zum Transgender Day of Remembrance in der Berner Altstadt einen Stand organisiert. Wir wollten über die 238 weltweit in einem Jahr bekanntgewordenen Morde an Transmenschen sprechen, aber auch konkret über die Situation von Transmenschen in der Schweiz. Um die Passanten für ein Gespräch zu gewinnen, haben wir 300 Päckchen mit Nüssen, Schokolade und Mandarinen vorbereitet. Dazu gab es – passend zum Motto der Veranstaltung «Give me some „T“» – kleine Becher mit heissem Tee, was bei der nasskalten Witterung besonders gut ankam. „Aktionstag zum Transgender Day of Remembrance“ weiterlesen

Im falschen Leib

5.12.2013

«Ein Transmann hat einen Frauenkörper und fühlt sich durch und durch als Mann. Eine Transfrau hat eine tiefe Stimme und Bartwuchs, aber eine weibliche Identität. Die Irritation ist gross, wenn die Geschlechterfrage nicht eindeutig ist.

Entweder Mann oder Frau, nichts scheint auf den ersten Bick so klar wie das. Aber die Verunsicherung ist gross, wenn der langjährige Kollege Müller ab sofort als Frau Müller angesprochen werden will. Die Irritation ist noch grösser, wenn der eigene Sohn auf einmal Frauenkleidung trägt. Und wie erklärt man den eigenen Kindern, dass Mama von nun an Papa ist?

Udo Rauchfleisch, Professor der Psychologie, hat sich ein Leben lang mit geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung beratend, therapeutisch und auch wissenschaftlich auseinandergesetzt. Er spricht ungern von Transsexualität und zieht den Begriff Transidentität vor. Wieso? Das erklärt er im Gespräch mit Cornelia Kazis in Kontext.»

Die ideale Sendung, um sein Umfeld mit der Trans-Thematik vertraut zu machen! Es wird auf gut verständliche Weise erklärt, was trans eigentlich ist (und was nicht).

Buchhinweis:
Udo Rauchfleisch: Anne wird Tom. Klaus wird Lara. Transidentität/ Transsexualität verstehen. Patmos Verlag

Sendung zum Nachhören und Herunterladen

Transmenschen: eine vernachlässigte und verletzliche Gruppe

Unter dem Titel „Sexuelle Gesundheit von Transmenschen“ veranstaltete das Bundesamt für Gesundheit im April diesen Jahres ein Forum in Biel. Nun sind einige der Ergebnisse im Newsletter des BAG Spectra Nr. 101, publiziert worden:

– Ein Tagungsbericht, der insbesondere die erschreckend hohe Prävalenz von HIV bei Trans-Sexworkerinnen auf zeigt,

– ein klarsichtiges Interview mit Erika Volkmar und Viviane Namaste zur Lage von Transmenschen in der Schweiz im allgemeinen und zu den besonderen gesundheitlichen Herausforderungen nicht nur von Sexarbeiterinnen,

– eine Kurzvorstellung der Fachstelle für Transmenschen am Checkpoint in Zürich und

– eine charmante Begegnung mit der Schauspielerin, Sängerin und Seiltänzerin Stella Luna Palino.

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20. November: Transgender Day of Remembrance

Der 20. November ist der internationale Gedenktag für all jene Menschen, die Diskriminierung, Gewalt und Hass erdulden mussten und die aus Transphobie ermordet wurden. Von November 2012 bis November 2013 waren dies dem «Trans Murder Monitoring» zufolge weltweit 238 Personen, vor allem Transfrauen und andere Personen, die nicht in die üblichen Geschlechterschubladen passen. „20. November: Transgender Day of Remembrance“ weiterlesen

Ganz natürlich: Transgender

Von Rolf Butz

Transmensch – haben Sie diesen Begriff schon einmal gehört? Ein Transmensch ist ein Mann, der mit einem weiblichen Körper geboren wurde, beziehungsweise eine Frau, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt gekommen ist. Da die Menschen ja nur die «Verpackung» sehen, werden Transpersonen solange falsch eingeordnet, bis sie sich gegenüber ihrer Umwelt zu ihrem eigentlichen Geschlecht äussern können. Und auch nach dem Coming-out muss man sich immer wieder erklären. Henry Hohmann, Präsident von Transgender Network Switzerland, im Gespräch. „Ganz natürlich: Transgender“ weiterlesen