Transgender Day of Remembrance 2014 – Transphobie ist tödlich

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Der Transgender Day of Remembrance erinnert 2014 an die vielen Transmenschen – fast ausschliesslich Transfrauen –, die in diesem Jahr wegen ihrer Transidentität umgebracht wurden. 226 Namen sind bekannt geworden – die Dunkelziffer liegt viel höher.

Seitdem 2009 das Projekt Trans Murder Monitoring gestartet ist und in Zusammenarbeit mit vielen lokalen und regionalen Organisationen die Daten der Ermordeten sammelt, Berichte und Karten herausgibt, wird nicht nur anonym an die Opfer erinnert, sondern sie erhalten ihren Namen, ihre Würde zurück. Seit Beginn der Erfassung sind dies bis heute 1612 Personen.

Transphobie und Hass sind auch in der Schweiz gegenüber Transmenschen nicht unbekannt, auch wenn die Gewalt nicht tödlich, sondern zu einem Teil sogar in den hiesigen Behördenstrukturen verankert ist. Doch auch diese Gewalt und Diskriminierung schmerzt. Warum muss man hierzulande, um die Bedingungen für die Personenstandsänderung zu erfüllen, medizinische Massnahmen ergriffen haben, und warum fordern viele Gerichte noch die Sterilisation von Transmenschen?

Transmenschen wird die Selbstbestimmung über ihren Körper und ihr Leben abgesprochen. Schwere körperliche  Eingriffe werden verlangt, auch wenn die Personen diese nicht möchten – aber ohne die richtigen Papiere wiederum keine Ausbildung oder Arbeit finden können. Die menschenrechtswidrige Dimension im Umgang mit Transmenschen wird vielfach nicht erkannt – auch von Transmenschen selbst nicht.

Der Trauer über die ermordeten Transfrauen aus aller Welt sollte sich auch ein Nachdenken über die Situation in der Schweiz anschliessen. Vieles ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Nach wie vor hat die Gesellschaft aber grosse Probleme mit Personen, die geschlechtlich uneindeutig sind. Das Coming-out von Transmenschen, aber auch von Lesben, Schwulen oder Bisexuellen ist einfacher geworden – «normal» ist es aber immer noch nicht. Der Leidensdruck vor und während der Transition ist enorm hoch, gerade unter Jugendlichen, von denen laut einer neuen britischen Studie fast die Hälfte einen Suizidversuch unternommen haben.

Die Verleihung des Gleichstellungspreises der Stadt Zürich an die Rechtsberatung von TGNS zeigt aber, dass Transmenschen zunehmend anerkannt und positiv wahrgenommen werden. Es geht also voran, auch wenn es noch ein harter und steiniger Weg ist.