Aktionstag zum Transgender Day of Remembrance

Am Samstag, 23. November 2013, haben einige Aktivisten von TGNS zum Transgender Day of Remembrance in der Berner Altstadt einen Stand organisiert. Wir wollten über die 238 weltweit in einem Jahr bekanntgewordenen Morde an Transmenschen sprechen, aber auch konkret über die Situation von Transmenschen in der Schweiz. Um die Passanten für ein Gespräch zu gewinnen, haben wir 300 Päckchen mit Nüssen, Schokolade und Mandarinen vorbereitet. Dazu gab es – passend zum Motto der Veranstaltung «Give me some „T“» – kleine Becher mit heissem Tee, was bei der nasskalten Witterung besonders gut ankam.

Es war kalt und es war nass, es hat uns alle Überwindung gekostet, einfach so Leute anzusprechen – aber es hat sich gelohnt!

-Trans.Day geändert

Und welche Eindrücke hatten die Helfer_innen von der Aktion?

«Aktionen, wie die am Samstag, bieten die Gelegenheit, gemeinsam Leute zu sensibilisieren, aufzuklären, auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass es auch in der offenbar so liberalen Schweiz noch Handlungspotenzial für uns Transmenschen gibt. Wir sind supertolle, normale Menschen und doch so verschieden, wie alle Menschen – und das sollten wir auch zeigen.» (Lukas)

«Ich habe bei der Aktion mitgemacht, weil ich auf dem Weg zu mir selbst immer Angst vor der Öffentlichkeit hatte. Heute ist mir egal, was andere sagen. Sicher, mich haben ablehnende Haltungen und Worte am Samstag nicht ganz kalt gelassen, aber ich stehe über dem und ich will helfen, das Thema der Menschheit näherzubringen und zu zeigen: wir sind normal. Ausserdem hoffe ich, damit auch anderen Transmenschen Mut zu machen rauszugehen, sich zu zeigen und sich selbst zu verwirklichen, wenn sie noch immer im „Verborgenen“ leben. Ich finde, nur wenn wir hinausgehen, können wir die Menschen mehr für das Thema Trans sensibilisieren und anderen helfen zu verstehen, was hinter unseren Gefühlen und Gedanken wirklich steckt. Die Öffentlichkeit von diesem falschen Transbild zu befreien… ich weiss das alles ist sehr viel, aber jeder kleine Anlass ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
Ich begegnete in den letzten Monaten vielen tollen Menschen, die mir auf meinem Weg halfen, mir Tips gaben und mir die richtige Richtung zeigten und das möchte ich weitergeben. Ich habe das Glück, meine Transition momentan etwas im Eiltempo zu durchlaufen, ich habe tolle Freunde, dich mich unterstützen und Stolpersteine mit mir gemeinsam aus dem Weg räumen. Ich habe körperliche und verbale Gewalt über mich ergehen lassen müssen im Bezug auf Trans, ich wollte aufgeben, aber ich habe an meinem Traum, der Mensch sein zu können, als den ich mich schon immer fühle, nicht aufgegeben und stehe fest im Leben. Allein hätte ich das nie geschafft und ich weiss, dass anderen mehr Negatives passiert, sie weniger Rückhalt von Freunden und Familien haben. Diesen Menschen möchte ich besonders Mut machen. Kein Weg ist einfach – aber unser Traum ist unser Leben!
Ansonsten habe ich auch sehr nette Unterhaltungen mit offenen Menschen gehabt, die mir gezeigt haben, dass viel Toleranz vorhanden ist. Ich bin mit einem sehr guten Gefühl heimgefahren – ich fand es gelungen und werde weiterhin :)» (Chris)

«Es erscheint mir wichtig, dass man an die ermordeten Transmenschen denkt, doch mindestens gleich wichtig erscheint es mir, dass wir uns der Gesellschaft zeigen, dass „trans normal“ auch ganz normal ist…» (Claudia)

«An diesem Anlass habe ich teilgenommen, weil ich es wichtig finde, mit den Menschen das Gespräch zu suchen und so die Möglichkeit zu haben, mit vielen Mythen und Vorurteilen aufzuräumen. Ich bin sicher, wenn man nur ein Gespräch hat und diese Person zum Schluss kommt, dass sie daraus etwas gelernt hat, wird sie dies, bewusst oder unbewusst, wiederum in ihrem Umfeld weiter verbreiten. Und natürlich macht es auch immer wieder Spass, mit den Mitgliedern von TGNS etwas zu unternehmen! :)» (Angi)