Medienschaffende

Wie berichte ich über Transgender? Ein Sprachguide für Medienschaffende

Liebe Medienschaffende

Wir freuen uns, dass Sie das Thema Trans* (wie in Trans-Identität, Transsexualität oder Transgender) der Öffentlichkeit näher bringen wollen. Eine fundierte und differenzierte Berichterstattung über uns Transmenschen, über unsere negativen und positiven Lebensrealitäten, unterstützt den Abbau von Vorurteilen und Ängsten und hilft, der Diskriminierung entgegen zu wirken. Ihre Arbeit kann damit ein Gewinn sowohl für uns als auch für die Gesellschaft sein.

Mit diesen Informationen möchten wir Ihnen eine sprachliche Hilfe für den medialen Umgang mit Transmenschen zur Verfügung stellen. Selbstverständlich beantworten wir auch gerne Ihre individuellen fachlichen, sprachlichen oder anderen Fragen rund um das Thema Trans* und Genderidentität. Wir erwarten dafür aber, dass Sie diese Ausführungen vorgängig gelesen haben und in diesem Sinne respektvoll berichten.

Eine ausführlichere Broschüre „Trans* in den Medien“ des Berliner Vereins TransInterQueer e.V. finden Sie hier.

Die wichtigsten Grundlagen

Transmänner sind Männer und sollen konsequent als solche bezeichnet werden. Das heisst, das Pronomen ist „er“, die Anrede „Herr“, das Geschlecht „männlich“.

Transfrauen sind Frauen und sollen konsequent als solche bezeichnet werden. Das heisst, das Pronomen ist „sie“, die Anrede „Frau“, das Geschlecht „weiblich“.

Dies gilt für die gesamte Lebenszeit. So war zum Beispiel eine Transfrau früher nicht ein Mann, auch wenn sie mit einem männlichen Körper geboren wurde. Beschreibungen in Anlehnung an das andere Geschlecht, wie beispielsweise „sie bewegt sich noch wie ein Mann“ oder „er ist eine Klatschtante“, sind nicht angebracht.

Dies gilt immer, es sei denn, die jeweilige Person wünscht explizit etwas anderes.

Auch Transmenschen sind Individuen. Fragen Sie, wie die entsprechende Person am liebsten bezeichnet bzw. dargestellt werden möchte. Das Spektrum der Geschlechtsidentitäten ist nicht auf Mann oder Frau beschränkt; vielleicht sieht sich Ihr Gegenüber als beides oder vielleicht weder als Mann noch als Frau?

Auch Transmenschen haben ein Recht auf Intimsphäre. Transmenschen sind nicht verpflichtet, über ihre Genitalien und eventuelle Operationen Auskunft zu geben. Was im allgemeingesellschaftlichen Umgang als distanzlos bzw. als respektlos gilt, trifft auch gegenüber Transmenschen zu.

Angabe der Geschlechtsidentität nur mit Einverständnis

  • Ist die Information, dass eine Person trans* ist, wirklich für den Bericht relevant? Wenn nicht, lassen Sie sie weg.
  • Ist die Person ausdrücklich damit einverstanden, dass ihre Geschlechtsidentität in den Medien öffentlich preisgegeben wird? Wenn nicht, respektieren Sie diese Privatsphäre. Fremdoutings sind äusserst respektlos und verletzend.

Die wichtigsten Begriffe

Transsexualität, Trans*

Von Transsexualität oder Trans* spricht man bei Menschen, deren Genderidentität oder Erscheinungsbild nicht dem Geschlecht entspricht, dem sie bei Geburt zugeordnet wurden. Trans* kann Begrifflichkeiten wie transsexuell, Trans-Identität oder transgender ersetzen. Insbesondere „Transsexualität“ wird von Transmenschen oft abgelehnt, da Identität nichts mit Sexualität zu tun hat.

Transgender

Oberbegriff für alle Transmenschen (so verwendet in „Transgender Network Switzerland“). Wird mitunter auch verwendet für:

  • Menschen, für deren Geschlechtsidentität das Zweigeschlechtermodell nicht ausreicht;
  • Transmenschen, die keine oder nicht alle medizinischen Massnahmen wünschen.

Transfrau

Mensch, der mit einem biologisch männlichen Körper geboren wurde, sich aber als Frau identifiziert.

Transmann

Mensch, der mit einem biologisch weiblichen Körper geboren wurde, sich aber als Mann identifiziert.

Transvestit / Crossdresser

Mensch, der sich zeitweise entsprechend der Rolle, die nicht seinem Geburtsgeschlecht entspricht, kleidet. Transvestiten leben meistens in der Rolle ihres biologischen Geschlechts.

Trans* hat nichts zu tun mit:

  • Sexualität
  • Sexueller Orientierung, d. h. von wem sich ein Mensch sexuell angezogen fühlt. Ein Transmensch kann genauso gut homo-, bi- oder heterosexuell sein wie jeder andere.
  • Intersexualität / Zwittern

Angemessene Bezeichnungen und zu vermeidende Begriffe

In einer kurzen Übersicht finden Sie hier Begriffe, die nicht angebracht sind, mit jeweils verschiedenen positiven Alternativen dazu.

Angemessene Bezeichnungen Zu vermeidende Begriffe
Transgender, Transmensch, Transmann, Transfrau , Trans* (bzw. Selbstbezeichnung der porträtierten Person: bitte nachfragen!) Transe, Transvestit, Mann-Weib, Drittes Geschlecht, ehemaliger Mann / ehemalige Frau
genetischer, biologischer Mann / genetische, biologische Frau normaler Mann, richtiger Mann / normale Frau, richtige Frau
Geschlechtsangleichung bzw. -anpassung, körperliche Angleichung bzw. Anpassung Geschlechtsumwandlung, -änderung, -wechsel, Verwandlung, Mutation, umbauen, umoperieren
(Genetisches oder biologisches) Geburtsgeschlecht Ursprüngliches Geschlecht
Geschlechtsidentität, Genderidentität, Identitätsgeschlecht, empfundenes Geschlecht Wunschgeschlecht, Gegengeschlecht, anderes Geschlecht, neues Geschlecht
Kind, Teenager, Person, Mensch (geschlechtsneutrale Formulierungen) Mädchen, Tochter, Jugendliche u. ä. für einen Transmann/Jungen; Sohn, Kollege u. ä. für eine Transfrau
Wurde biologisch als Mädchen geboren, wurde bei der Geburt als Mädchen eingeordnet War ein Mädchen bzw. eine Frau, ehemalige Frau, Ex-Frau
Gewählter Vorname Alter Vorname

Einige Begriffe werden von manchen Transmenschen selbst verwendet, während sie von anderen komplett abgelehnt werden. So zum Beispiel „im falschen Körper“, „transsexuell“, „Mann-zu-Frau“ bzw. „Frau-zu-Mann“, „lebte als Frau/Mann“. Dies mag verwirren – aber orientieren Sie sich einfach an den Wünschen der jeweiligen Person.

Vermeiden Sie Ausdrücke, die pathologisierend wirken wie „Betroffene“, „Patienten“ oder „(Geschlechts-) Identitätsstörung“. Nicht jede Transperson leidet; zeigen Sie auch die Sonnenseiten der Biographie.

Vermeiden Sie Darstellungen, in denen Transmenschen sehr dem Rollenklischee entsprechend gezeigt werden. Auch Transfrauen haben andere Interessen als Schminke und Kleider. Transmenschen sind mehr als nur ihr Geschlecht.

Transmenschen leben in der Regel unauffällig, so wie andere Menschen auch. Dementsprechend vermitteln sensationsheischende Freakdarstellungen ein falsches Bild.

Das folgende Beispiel zeigt Ihnen, dass die Umsetzung gar nicht schwer und durchaus genauso leicht verständlich ist wie das Negativbeispiel.

Ein guter Bericht könnte so aussehen:

Marco heisst der junge Mann, der bei der Geburt als Mädchen einsortiert wurde. Er nimmt Testosteron, das männliche Sexualhormon, um sein Äusseres seinem Inneren anzugleichen und unauffällig als Mann leben zu können. Er wusste bereits als Jugendlicher, dass er ein Mann ist. Seine Mutter nahm das Coming-out ihres Kindes gelassen und spricht von ihm als „Marco“ und „er“. Marco hat sich dazu entschieden, seinen Körper auch durch Operationen seiner Identität anzugleichen.

Der gleiche Bericht als Negativbeispiel:

Sarah heisst die junge Frau, die sich jetzt Marco nennt. Sie nimmt Testosteron, das gegengeschlechtliche Sexualhormon, um mehr wie ein Mann auszusehen und in der neuen Rolle leben zu können. Sie wollte bereits als Jugendliche ein Mann sein. Ihre Mutter nahm das Coming-out ihrer Tochter gelassen hin und spricht sie ihrem Wunschgeschlecht entsprechend mit „Marco“ und „er“ an. Sarah wird bald die ersehnte Geschlechtsumwandlungsoperation haben, durch die sie endlich ganz zum Mann wird.

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